Get your mind right

Grinder-Dirtbag-Bulldog-Rock-Rat

Der Schildwall 2017 ist Europameister

Es war ein langer Weg zum Titel 2017. Emotional, in der Entwicklung, geprägt von vielen Meilen rund um die Welt, vielen Trainingseinheiten, vielen Spielen, vielen Gesprächen, Höhen und Tiefen. Es war ein Prozeß mit klar benennbaren Zutaten wie ein Schildwall, der die Liebsten, das Hab und Gut , die Ehre gegen Verlust und Schande verteidigt, Jäger und nicht Gejagte wollten wir sein und wurden wir, …..making plays, making pitches, bring it, bring it, Grinders, Dirtbags, Bulldogs, Rocks (außen hart und innen hart) und New York City Ratten. Bereits im Dezember/Januar 2016/2017 trugen einige der neu gebackenen Europameister die deutsche Flagge in weniger als zwei Stunden auf den Tafelberg unter der Sonne Afrikas. Im Januar dann das Winterball Camp in Paderborn und dann kam Boca Chica: Wer die Berichte aus Boca Chica nocheinmal nachliest wird sehen, dass sich diese Europameister-Mannschaft den Titel zusammen mit ihren Coaches hart erarbeitet hat. Technik Training, intensivstes mentales Training, viele Spiele…Frust und Niederlagen bis es dann aufwärts ging. In Macerata bei Ancona und zwei Monate nach Boca Chica schien der Zauber schon wieder verflogen, es hagelte sechs Niederlagen gegen die Italiener (auch B-Kader) in sieben Spielen. Das niedrige Niveau in den heimischen Ligen, falsche Schwerpunkte, das Fehlen des kompletten Middle Infields (Merlin Bendlin und Tristan Russell), alles zusammen wahrscheinlich. Aber schon in Italien waren die Jungs in glühender Hitze wieder schnell mit Feuereifer bereit, härter als alle zu arbeiten, schneller zu denken, leidenschaftlicher zu kämpfen (Bulldogs). Schnell war der Geist von Boca Chica wieder erwacht und bei der Vorbereitungswoche in Trebic gegen die Tschechen und Niederländer wussten alle, dass der Sieg schon möglich ist, dass keiner per se in Europa besser als wir ist, wenn wir alles auf den Tisch bringen.

Wir können enge Spiele gegen große Gegner in Drucksituationen nur gewinnen, wenn die Spieler die geheimen mentalen Mythen und Rituale, Chants und Mantras, Zaubereien, Visualisierungen und Trickplays und natürlich auch Techniken begeistert aufnehmen, verinnerlichen und zu den ihren machen. Manche Jahre hatten wir physisch extrem talentierte Spieler, die zwar ganz toll Agilities machen können, aber wenn es ums Eingemachte geht, um das was eben wenn es so leicht wäre jeder könnte, heimlich die Augen rollen und es dann im Schildwall nicht schaffen, den Schalter umzulegen, um dann wie von Wolfgang Schulz auf Facebook so eloquent beschrieben, im Auge des Sturms mit zittrigen Fingern den Sieg zu vergeigen.

Das tatsächliche Endspiel, die Plays, die Stats kann man ja heutzutage andernorts nachlesen und deshalb werde ich hier darauf nicht eingehen, sondern ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.

Der Schildwall 2017 bestand aus vielen sehr jungen Spielern (sechs können 2018 noch mit auf die WM fliegen, drei 2019 den EM Titel verteidigen) und einigen „Veteranen“, die die DBA Philosophie und Herangehensweisen  verinnerlicht haben mit einem Kapitän –Simon Bäumer-der jede Minute als Vorbild voranging, Angeber zurecht rückte, jedes Spiel seine und zwar „outstanding“ Leistung als Hitter, Fielder, Pitcher brachte, ein Leuchtturm war, den Gegner, Scouts und Fans nie aus den Augen ließen und der trotzdem wie er es gelernt hat mittlerweile cool und gelassen blieb, an dem sich die jüngeren Studs aufrichten konnten und der alle unsere Maßnahmen bedingungslos unterstützte und mittrug. War das für ihn einfach und schon in seinem ersten DBA Auftritt bei EM und Boca Chica und vielem mehr im Jahre 2015 so? Nein, es war wie alles ein Prozeß, eine Reise. Das war auch sehr wichtig.

Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass der erst 13-jährige Catcher Yannic Walther im Turnier 11 Hits und 11 RBIs vorweisen kann. Nie gejammert, nie gechoked, die richtig guten Scouts haben mich auch auf ihn angesprochen, die vielen Scharlatane merken ja auch mit schönem Polo und Mütze nicht was so wirklich was ist.

Als im ersten Inning gegen die Italiener erst der eigentlich schwer zu ersetzende Lead Off Batter und Centerfielder Paul Wittmann und dann Leftfielder Yannick Witt verletzt ausfielen, sprangen mit Benedikt Schäffer und Mo Van Bergen zwei junge Warriors in die in den Schildwall geschlagene Bresche, kein Unterschied, weiter geht´s.

Der 14-jährige Third Baseman Lou Helmig macht gegen die Tschechen im 6. Inning  bei Bases loaded und Null Outs „Hunter-Style“ zusammen mit Catcher Walther ein für unsere östlichen Nachbarn „neckbreaking“ 5-2-3 Doubleplay, und das nachdem er kurz vorher noch uninspiriert agiert hatte, aber „the memory is short and the bounce back is quick“…super; der 13-jährige Second Baseman Tristan Russell war gegen Italien im „Dirtbag or Die Spiel“ the Rat, the Dirtbag, fischt einen drei Meter hohen Linedrive zum F4 aus der Luft, turnt auf einen Infield Fastball zum Double, hat noch einen wichtigen RBI Hit. Felix Thierolf aus Darmstadt, eigentlich Catcher, aber weil so ein guter Hitter geworden (checkt die Stats) unverzichtbar in der Line-Up spielte in der Defensive ein starkes erstes Base, war fast jedes Spiel auf Base. Was mir am Meisten imponiert hat, war, dass er nach seinem schwarzen Tag gegen Spanien danach wieder fehlerfrei spielte, immer positiv, voller Feuer, ein echter Grinder wie er im Buche steht wie auch der zweite Darmstädter  Merlin-Tyrus Bendlin. Merlin, der Best Batter der letztjährigen EM in Frankreich, spielt jetzt für die Tornados in Mannheim und konnte allerdings im Anschluß an seine Monate im DBA Programm in Boca Chica seit dem dritten Spiel des Ostern-Trips keinen Ball mehr werfen. Dank der Ärzte, die auch mal das Richtige verschrieben haben und nicht nur Creme-Verband, seiner Disziplin und seines Vaters Nik Bendlin (siehe unten) war er zur EM punktgenau wieder fit, und nie war er so wichtig wie heute, denn ohne einen richtigen Shortstop, einem Spieler wie Merlin mit seinem Speed, seiner Aggressivität und offensiver Power, kann man natürlich nicht Europameister werden, vor allem da uns ja bereits im Vorfeld unser etatmäßiger Centerfielder und Speedster Silvan Stilzebach mit Schlüsselbeinbruch ausgefallen ist. Hey Silvan, du bist auch Teil dieses Schildwalls, zum Glück sind andere für dich in die Bresche gesprungen, gute Besserung.

Im Finale hatten die Niederländer ihr Ass am Start: 14 Batter, 14 Outs, dann kam Luca „the Hammer“ Rammelmann aus Werl (ab jetzt Internat Paderborn)

…..it´s going, going, going….gone!

Später legte unser Luca noch einen weiteren Hit nach, spielte hervorragend im Rightfield, entschärfte jede Menge potentielle Gapper durch gutes Stellungsspiel (naja, da haben die Coaches schon mitgeholfen). Der 14-jährige Erfurter Christoph Ehrich exekutiert unser 1-3 Trickplay so kaltblütig, dass der Italiener balkt und kurz danach gehen muss, auch sonst konnte man sich auf „Honni“ immer verlassen.

Jonathan „Mjölnir“ Weyer im Halbfinale dominiert die Tschechen total, erst als er ausgewechselt wurde kommen diese wieder auf. Jonathan kommt aus Biedenkopf bei Siegen, irgendwo aus NRW und spielt in der Jugend Landesliga in Neunkirchen (erst ab nächsten Monat im Internat Paderborn) aber auch er liebt es ein Krieger des Schildwalls zu sein, liebt Baseball, hat Feuer in den Augen und wuchs über sich hinaus. 3 for 3 am Schlag…nicht schlecht.  In Mannheim ist Rex Helmig ein Leistungsträger, bei der EM hatte er auf seinen Positionen sehr gute Spieler vor sich, war aber nicht beleidigt sondern als Bullpen Catcher und Schildwall Krieger ein wichtiges Mitglied des Meisters genauso wie Marius „Lobo Rojo“ Wolf, der seine Armverletzung eigentlich nicht überwinden konnte.

Gerade hat mich ein Journalist der Neuen Westfälischen über Luca Kloppenburg befragt und ich habe ihm über das Paderborner Eigengewächs erzählt, wie dieser gegen die Tschechen bei Bases Loaded, 0 Outs im 6. Inning den Mound betrat mit nur einem Ziel: Making Pitches, Reinstrahlen, Zero Zentimeter nachgeben und so das seine dazu beitrug, dass die Tschechen nach einer beispiellosen Drangserie im sechsten und siebten Inning keinen Run mehr machten.

Unter den vielen Experten im weiten Rund wurde vor dem Finale kolportiert, dass die Deutschen kein Pitching mehr hätten und damit chancenlos seien. Das war so nicht ganz richtig, denn wir hatten Julius Reuße von den Ratingen Goosenecks (oh ja, da ist auch DBA Heilerin und Jugend Coach Marlies Boll tätig). Was für eine Performance in der Stunde der Wahrheit gegen die so starken Niederländer: 2 Hits, 8 Strike Outs – MVP!

Wie man auch von der Fußball Weltmeisterschaft 2014 noch in Erinnerung hat, geht es natürlich nicht ohne das Spielglück. Mir ist durchaus bewusst, dass es auch anders hätte ausgehen können. In aller Demut verneige ich mich vor der großartigen, talentierten Italienischen National Mannschaft, die beim Spiel gegen Deutschland einfach auch hier und da Pech hatte und auf einen extrem  bissigen Schildwall mit Spielglück und mit Simon Bäumer in Höchstform gestoßen ist, der an diesem Tag in der Stunde der Wahrheit einfach unglaublich war. Die italienischen Trainer und Betreuer strahlen soviel Klasse aus, waren in der Niederlage bewundernswert und unsere Zusammenarbeit, wie unsere Freundschaft wird weiter geführt. Dasselbe gilt für die Tschechen, die uns beinahe im Halbfinale rausgekegelt hatten und aus ihrer Sicht nach einer beispiellosen Aufholjagd, bevor „Ivan“ Kloppenburg dem einen Riegel vorschub, sicher unglücklich verloren hatten.

Den Hut ziehe ich auch vor den  Franzosen mit meinem guten Freund Jean-Michel Mayeur, der aus Montpellier, wohin schon viele DBA All Stars geflogen sind, den französischen Baseball beflügelt und die auch Italien geschlagen haben und den Holländern einen Fight geliefet haben. Die Coaching Staffs der Top 6 Teams (und dazu gehört eben mittlerweile auch Österreich) sind Vollprofis, wir kennen und schätzen uns und wie auch die erhöhte MLB Präsenz bei diesem Turnier unterstreicht, wird der europäische Baseball in den genannten Ländern immer stärker. Die Niederländer mit ihren 6 MLB subventionierten Akademien, ihrer langen Tradition und ihrem internationalen Renomee sind dann sogar fast noch ein anderes Kaliber. Manager Erik hatte mit dem Leiter des niederländischen Akademien Programms, dem von MLB mit-finanzierten und international äußerst respektierten Martijn Nijhoff einen Hochkaräter zur Seite, dazu kamen mit Ex Superstar Marvin Blej und dem ewigen National Mannschaft Middle Infielder Mike Duursma weitere Könner. Aber auch sie hatten sogar Probleme im Turnier und waren trotz ihrer Zero Niederlagen dem Feld nicht wirklich entrückt.

Wir werden nie vergessen, wie  die Oranjes und zwar Spieler und Betreuer gleichermaßen mit Klasse und mit Contenance auf den Final-Thriller und die damit aus ihrer Sicht verbundene Niederlage reagierten. Mike Duursma ließ mich zwar mit Augenzwinkern wissen, dass er als Spieler nie gegen Germany im Baseball verloren hatte, aber sie waren alle voll des Respekts und konnten sich irgendwie trotz allem an einem gelungenen Turnier freuen, das einem Hoffnung für den europäischen Baseball gibt. Grande Liga.

Dasselbe gilt übrigens auch für die österreichischen Veranstalter in Wiener Neustadt, den Diving Ducks. Wir waren ja schon auf vielen Europa-Meisterschaften, aber diese war von der Organisation, der Wertigkeit, der Detailliebe und auch der Leidenschaft aller Helfer und Organisatoren eine der allerbesten. Stellvertretend nehme man nur die Facebook Seite, die professionelle Platzpflege…… Danke an euch.

An dieser Stelle möchte ich auch auf den extrem wichtigen Coaches Schildwall hinweisen. Mein alter Wegbegleiter Sven Huhnholz (30 KG leichter, fit wie einst) wie immer eine Bank (no words needed), Pitching Coach Matt Kemp, der die Pitcher während des Spieles immer perfekt auf ihre Einsätze vorbereitete, sodass ich mich auf Pitches callen und alles andere konzentrieren konnte, der jeden Tag parallel zu mir 45 Minuten BP warf, die Pitcher mit Reizstrom behandelte und so weiter, Heiko Schumacher war bis auf das Finale immer am dritten Base im Einsatz, bringt Spirit und Energie, ist durch seine Intelligenz, seinen Humor und seine Loyalität ein Centerpiece des Coaches Schildwall. Ersmals dabei und einen große Auftritt und Einstand hatte unser Physio Nik Bendlin (gibt noch keinen Link :(). Er massierte jeden Abend die müden Muskeln von Yannic Walther und Paul Wittmann und anderer, sorgte während der Spiele und Trainingseinheiten für Magnesium, Getränke, alles was man brauchte und verblüffte uns alle mit akzentfreiem Holländisch. In Boca Chica waren noch Octavio Medina, Emilio De Los Santos, Kevin Johnson und eben auch Nate Trosky dabei. Ihr seid alle auch Europameister geworden. Vielen Dank an euch, es war mir eine Ehre.

 

Hier könnt ihr nochmal alles nachlesen: Spiele, Roster & Berichte

 

Hinterlasse einen Kommentar