Herz gezeigt

aber dann doch wieder verloren

Knappe XTRA-Inning Niederlage gegen Fresno (8-9)

Der 2001-er Jahrgang, der den Hauptteil des Alameda-Rosters ausmacht (nur Simon Bäumer, Merlin Bendlin und Luca Kloppenburg gehören dem Europameister-Jahrgang 2002 an) hat sich schon letztes Jahr in Paris schwer damit getan, die mentale Präsenz und Durchschlagskraft und damit die Power zu entfalten, die eigentlich in ihm steckt und die man auf jeden Fall braucht, um starke Gegner zu schlagen. Es ist schwer zu verstehen und vielleicht liegt es hier in Alameda auch zusätzlich mit daran, dass die Jungs in Gastfamilien verwöhnt werden und deshalb nicht 24/7 an Baseball und alles was dazu gehört denken (allerdings war es wie gesagt in Chartres genauso). Gegen Fresno warf zwar Starting Pitcher Simon Bäumer mal wieder ein sehr gutes Spiel, liess nur 3 fehlerbedingte Runs in vier Innings zu, aber die Errors, die mangelnde Aggressivität im Feld wie auch am Schlag waren wieder wie im Japan-Spiel schwer zu ertragen. Sie kamen und schauten mal so, waren kaum zu motivieren, sich voll auf die Schlacht einzulassen. Es geht aber hier beim WBBT nicht gegen die Krutzerdorf Crackers, wo man mit seinem EvoShield und 400-Euro-Hanschuh aufläuft und dann auch gewinnt…

Klar, auch die Auswahlspieler aus dem kalifornischen Großraum um Fresno können auf jeden Fall spielen, sind sogar sehr gut, aber sind doch schwächer als zum Beispiel die Teams aus Korea und Japan. Im 5. Inning kam Elian Gentner als Pitcher und gegen ihn gelangen den Kaliforniern dann auch satte Hits, aber ohne die Errors wäre nicht viel passiert. Unsere Gegner machen hier alle Plays, auch heute wieder spektakuläre – wir leider nicht.

Die Zuschauer trauten ihren Augen kaum: Ein satter Hit nach dem anderen – ein Feuerwerk

Nach dem Ende des 6. Inning stand es dann, Colin Holzwarth war mittlerweile auf dem Hügel, 0-8. Schlimm, aber dann – jawoll – ging auf einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Die Zuschauer, die schon wieder Mitleidsgefühle entwickelt hatten, trauten ihren Augen nicht: Ein satter Hit nach dem anderen, ein Feuerwerk, es sah richtig toll aus. Fresno wechselte den Closer ein, egal, es ging weiter, sie lebten, zeigten Herz, top Körpersprache, es wurde weiter gescheppert bis bei 8-8 Schluss war. Colin Holzwarth blieb auch in der unteren Hälfte des 7. Innings weiter auf dem Hügel und auf einmal machte Shortstop Merlin Bendlin so, wie man ihn eigentlich kennt, zwei super Plays, dazu ein Strike Out. Das bedeutete Xtra Innings. Im 8. Inning war allerdings der Zauber wieder vorbei und obwohl es noch ein wenig dauerte und sich die Jungs auch wehrten, gelang es Fresno dann im Achten doch, den Sieg klar zu machen.

Die Ehre aber war wieder hergestellt, die Jungs hatten gezeigt, dass sie es eigentlich gegen internationale Spitzen-Mannschaften können, wenn sie denn Gas geben und sich auf die Magie einlassen. Es wird ja immer analysiert, gelehrt und verbessert und der Lerneffekt des WBBT in Alameda ist auf jeden Fall enorm. Was jeder Einzelne davon für seine weitere Baseball Karriere mitnimmt, liegt vor allem an ihm selbst. Die Jungs konnten sich jedenfalls mit Spitzenspielern ihrer Altersklasse aus aller Herren Länder messen und trotz der Niederlagen, die ja aufgrund der beschriebenen Umstände zustande gekommen sind, wissen alle Beteiligten, Veranstalter, Coaches, Zuschauer, Umpire, Gasteltern hier in Alameda, dass in Deutschland schon Baseball auf hohem Niveau gespielt wird. Den Eindruck haben wir trotz aller shortcomings doch hinterlassen können und das ist ja auch schon mal was. In der Gruppenphase ging zwar jedes Spiel verloren, drei davon aber nur äußerst knapp. Morgen steht noch ein letztes „Trostrunden“-Spiel auf dem Programm, bevor der Flieger am Sonntag gen Frankfurt abhebt.

Hier die Scoresheets von Fresno und Germany

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