Boca Chica

Tagebuch Boca Chica – Heiko Schumacher

Im November konnte ich unsere Jungs in der Karibik besuchen und nach dem Rechten schauen. Die Anreise war holprig, da man mich einfach auf eine andere Maschine buchte und ich über Detroit und New York den Weg nach 24 Stunden nach Santo Domingo fand. Mitten in der Nacht angekommen, öffnete mir Tim Fischer die Tür und kredenzte mir ein Glas kaltes Wasser. Die Jungs hatten mir extra ein Zimmer in der „Casa“ freigeräumt und unter dem lauten Getöse des Ventilators bin ich auch recht schnell eingeschlafen. Am nächsten Morgen hiess es dann erstmal ankommen und die Knochen richten. Ganze 16 Tage konnte ich mit den Jungs verbringen. Es war wie immer eine gute Zeit in einem Land, wo Baseball Religion ist. Beim morgendlichen Strandtraining fanden sich sehr oft mehr als 50 Talente ein, um Agilities, Sprints und Krafteinheiten zu absolvieren. Eine paradiesische Kulisse, glasklares und seichtes karibisches Meerwasser im Hintergrund, das aber wie von Luca Hörger und Tim Fischer bestätigt, selten genutzt wird. Es ist halt kein Urlaub, sondern wirklich harte Arbeit, Tag ein, Tag aus. Das Feld des Club Ozoria war nun auch endlich fertig restauriert. Die New York Yankees nahmen viel Geld in die Hand um den Platz auf Vordermann zu bringen und ich muss sagen er ist in einer guten Verfassung. Bei der Eröffnungsfeier war ich auch anwesend und die Dominikaner haben ein riesen Brimborium veranstaltet mit lauter Musik, Politikern und Baseballgrössen aus der Region. Der neue Academy Coach Andres Duncan macht einen sehr guten Job, trainiert die Jungs hart und effizient. Mercedes die Haushälterin versorgt die „Gringos“ mit reichlich Nahrung, die sie auch benötigen in der sengenden Hitze der DomRep. Nach dem Strandtraining geht es in den Kraftraum. Klar ist es kein Fitness Loft, noch nicht einmal McFit Standard aber es ist alles da, was die Peloteros benötigen um stärker zu werden. Mittags gibt es eine Witting Einheit im Battingcage am Haus, gefolgt von dem Training mit Live BP auf dem Feld. Das Leben in der Academy ist für die Jungs eine klasse Erfahrung. Es ist alles andere als ein Luxusurlaub. Es muss auf einiges verzichtet werden. So kann es schonmal vorkommen, dass für vier bis fünf Stunden der Strom ausfällt oder das Wasser an einem Tag nicht druckvoll aus der Dusche kommt. So lernt man aber eine andere Welt kennen, eine Welt in der die Mehrheit der Menschen leben und überleben muss. Boca Chica ist laut, voller Leben und vor allem voller Baseball. Jeden Tag ist Action auf dem Feld rund um die Uhr das ganze Jahr. Ich konnte deutlich die Verbesserungen der Jungs sehen, selbst in diesen 2 Wochen. Luca Hörger wurde leider krank und musste mit Fieber im Bett ein paar Tage pausieren, ist aber wieder auf dem Damm. Ich kontaktierte noch einen alten Freund, der mittlerweile der Radio und TV Sprecher für LICEY ist. Die Tigres de Licey sind die Hauptstadtmannschaft der dominikanischen Liga. Im Estadio Quisqueya ist immer volles Haus und eine super Stimmung. Viele Major Leaguer verbringen hier ihre Offseason und nehmen sich noch ein paar At Bats im Winter mit. Tommy konnte mir also 5 Tickets in bester Lage organisieren und so schauten wir uns ein Spiel Live im Stadion an. Tim Fischer genoss es sichtlich. Luca musste leider aufgrund seiner Krankheit passen. Die abenteuerliche Fahrt zum Stadion in Santo Domingo wäre eine weitere Story wert. Jedenfalls waren die Jungs froh, jetzt einen deutschen Ansprechpartner zu haben. Trotz des vielen Spanisch Unterricht, ist die Kommunikation mit den Dominikanern doch recht schwierig für die Jungs. Bis auf Coach Duncan spricht eigentlich keiner Englisch. Aber auch das ist Teil der Erfahrung. Am 22.11. reiste dann auch Georg Bull an. Mit ihm konnte ich noch ein paar Tage verbringen bevor es dann wieder Richtung Heimat ging.

Alles in Allem ist die TroskyBull Academy für unsere jungen Athleten eine super Sache. Während in der Heimat das Hallen Wintertraining läuft haben die Jungs ein volles Programm mit drei Trainingseinheiten und vielen Spielen in einem der schönsten Baseball Länder der Welt. Hier herrscht eine Atmosphäre, die man schwer beschreiben kann. Alles ist auf den Sport ausgerichtet, alle fokussiert und hart arbeitend. Um mit diesen Spielern mithalten zu können ist es wichtig deren Erfahrungen zu durchleben und die Mentalität die dahinter steckt zu spüren. Hier trifft die Leidenschaft für den Sport auf das knallharte Geschäftsgebaren der „Programmas“, die alles versuchen, den Jungs einen Profivertrag zu verschaffen, natürlich nicht mit den Motiven eines Samariters sondern als Investition in das Produkt Baseballspieler. Wir von der DBA und die Jungs die wir dort hinschicken sind weit weg von diesem Ansatz. Wir sind Baseball Romantiker, machen es weil es geil ist und weil wir es lieben. Dennoch ist das Trainieren und Spielen in einem solchen Umfeld eine unbezahlbare Erfahrung für alle Athleten.

 

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